Was können wir von Bakterien und Motten lernen, um besser mit Unsicherheit umzugehen? Mit Anna Melbinger spricht Richard Seidl darüber, wie Strategien aus der Natur auf Softwareprojekte und Projektmanagement übertragbar sind. Anna bringt einen ungewöhnlichen Hintergrund mit: Jahre in der Wissenschaft, Physik studiert, biologische Fragestellungen mit Mathematik bearbeitet, und heute im IT-Projektgeschäft. Die beiden reden darüber, warum Stillstand keine Robustheit erzeugt, warum Bug-Trends oft aussagekräftiger sind als einzelne Bugs, und wann es sich lohnt, bewusst einen Schritt zu tun, der nicht direkt zum Ziel führt, nur um Wissen zu gewinnen. Am Ende landet das Gespräch bei Karl Popper und der Frage, ob das aktive Suchen nach Widerlegung eigentlich die ehrlichste Methode ist, mit komplexen Entscheidungen umzugehen.
Highlights:
- Bug-Trends liefern mehr Steuerungsinformation als einzelne Bugs, weil sie zeigen, ob ein System gerade abbaut oder sich erholt, ohne dass man jedem Einzelfall hinterherlaufen muss.
- Stillstand als Robustheitsstrategie funktioniert nicht: Wer ein System einfriert statt es anzupassen, verbraucht seine Ressourcen am Ort und verliert langfristig.
- Bewusstes Abweichen vom direkten Weg, zum Beispiel ein 90-Grad-Schritt wie bei Motten auf Partnersuche, optimiert nicht die Effizienz, sondern die Qualität der Information und führt schneller zum Ziel.
- Hypothesen sind nur dann nützlich, wenn das Ziel ist, sie zu falsifizieren: Wer aktiv nach Widerlegung sucht, schneidet ganze Entscheidungsäste ab, statt sich durch den Baum durchzuarbeiten.
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