Wer gestaltet eigentlich die Software, die unseren Alltag durchdringt, und wessen Werte fließen dabei ein? Richard Seidl und Claudia Nass Bauer sprechen darüber, warum homogene Teams blinde Flecken produzieren, die keine böse Absicht sind, sondern einfach das natürliche Ergebnis, wenn immer dieselben Perspektiven am Tisch sitzen. Es geht um unbewusste Denkmuster, um Kommunikationssysteme, die in männerdominierten Gruppen entstehen, und darum, wie agile Methoden mit kleinen Teams diesen Mustern entgegenwirken können. Claudia stellt außerdem ein Forschungsprojekt vor, das Studentinnen aus Design, Psychologie und Sozialwissenschaften gezielt an Softwareentwicklung heranführt, weil viele von ihnen schlicht nicht wissen, dass sie dort einen echten Beitrag leisten könnten.
Highlights:
- Wenn ein Softwareteam ausschließlich aus Informatikern besteht, spiegeln die gebauten Produkte zwangsläufig nur deren Werte und Weltbild wider, wichtige Gestaltungsaspekte fehlen.
- Fachfremde Disziplinen wie Psychologie, Soziologie und Design bringen Methoden in die Softwareentwicklung ein, die Informatikstudien kaum abdecken, etwa Nutzerforschung und ethnografische Studien.
- Viele Absolventinnen aus Design, Soziologie oder Psychologie wissen laut Fragebogenstudie nicht, dass sie einen konkreten Beitrag zur Softwareentwicklung leisten könnten.
- Unbewusste Denkmuster und Privilegien sind in jedem Menschen vorhanden, Bewusstsein darüber schaffen ist der erste notwendige Schritt, bevor Methoden oder Strukturen greifen können.
- Kleine Teams und agile Arbeitsweisen fördern Zusammenarbeit in diversen Gruppen aktiv, weil sie hierarchische Kommunikationsmuster strukturell verhindern.
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