Das Wissensportal für IT-Professionals. Entdecke die Tiefe und Breite unseres IT-Contents in exklusiven Themenchannels und Magazinmarken.

heise conferences gmbh

(vormals SIGS DATACOM GmbH)

Rheinwerkallee 4, 53227 Bonn

Tel: +49 (0)511/5352-100

service-sigs@heise.de

Editorial 5/1996: A fool with a tool is still a fool

Exklusiv zum 30 Jubiläum des JavaSPEKTRUMS präsentieren wir das Editorial von Michael Stal und Michael Johann der Ausgabe 5 von 1996.

Author Image
Michael Johann

Product Manager

Author Image
Michael Stal

Chefredakteur von JavaSPEKTRUM


  • 21.09.2026
  • Lesezeit: 3 Minuten
  • 16 Views

Folgendes Szenario: Neulich spielten sich auf meinem PC dramatische Szenen ab. Nach mehrstündigem Herunterladen der neuesten Java-Entwicklungsumgebung eine kurze, nur 30 Minuten währende Installation. Anschließend freudiges Betätigen der Maustaste, um die neueste Errungenschaft zu aktivieren. Dann erscheint die Oberfläche der aktuellen Beta-Version von „Malzkaffee“, eines der – glaubt man den Werbeversprechen des Herstellers – genialsten Java-Produkte der Welt. Neugierig lade ich das einzig mitgelieferte Beispielprojekt – was mag sich wohl hinter Hello.java verbergen? Das System fängt an zu kompilieren. Es kompiliert und kompiliert. Eine Viertelstunde später erreicht meine Stimmung einen Tiefpunkt. Nachdem der Rechner Terminierungswünsche meinerseits allenfalls mit Ignoranz zur Kenntnis nimmt, greife ich zur Ultima Ratio: der Power-Taste. Nun noch das System hochfahren, alle Schäden beseitigen und die letzten Spuren von „Malzkaffee“ soweit möglich tilgen. Zu guter Letzt aktiviere ich meinen innovativen Web-Browser (Beta 4.0) auf meinem funkelnagelneuen Betriebssystem (Beta 2.0), surfe wieder im Internet und halte weiter nach einer geeigneten Java-Umgebung Ausschau.

Cover JavaSpektum 5/1996

Diese Geschichte – nennen wir sie „Der weltgrößte Beta-Test" – ist zwar der Phantasie entsprungen, entbehrt aber dennoch nicht eines Körnchens Wahrheit. Zugegeben, seit der Internet-Revolution durch WWW und Java bewegt sich der Globus in atemberaubender Geschwindigkeit. Kein Benutzer kann sich über ein mangelndes Angebot an neuen Produkten beschweren. Die Kehrseite der Medaille liegt aber deutlich auf der Hand: Wer als Software-Unternehmer nicht rechtzeitig Java-Produkte vorweisen kann, den überrollt der Markt. Internet-Darwinismus par excellence! Die unvermeidliche Folge: Manche Hersteller machen das Internet zum Tummelplatz für ihre Pre-Alpha- und Beta-Software. Wer die Güte seiner Java-Umgebung zu überprüfen wünscht, möge doch einmal den zugehörigen Debugger testen. Was den Hobbyisten wie ein Schlaraffenland anmuten mag, verkehrt sich für den professionellen Software-Entwickler jedoch zum Alptraum. Nichts hemmt die Produktivität mehr als instabile oder sich ständig ändernde Entwicklungswerkzeuge. Doch Vorsicht: Nicht die Werkzeuge allein haben Einfluss auf die Güte von Java-Programmen. Auch eine geeignete Entwicklungsmethodik darf nicht fehlen. Da die Industrie Java mittlerweile verstärkt als Implementierungssprache für neue Software einsetzt oder dies zu tun beabsichtigt, ist dieser Aspekt umso bedeutender. Schließlich gilt immer noch der Ausspruch „A fool with a tool is still a fool“. Oder anders formuliert: ohne systematische Software-Entwicklung keine qualitativ hochwertigen Anwendungen.

Editorial 5/1996: A fool with a tool is still a fool

In der Ihnen vorliegenden Ausgabe präsentiert Erich Gamma in unserer Titelgeschichte einen Überblick über die in Java verwendeten Design Patterns. Unser Interview mit Borland-Chef Gerhard W. Romen gibt Aufschluss über die Software-Entwicklungsstrategie des Unternehmens. Anhand einer interaktiven Graffiti-Wall führt ein Beitrag spielerisch in die Problematik ein: Wie lassen sich die Eingaben eines Web-Benutzers persistent speichern, sodass sie für den nachfolgenden Benutzer noch sichtbar bleiben? Zahlreiche weitere Gänge komplettieren dieses reichhaltige Menü. Lassen Sie es sich schmecken.

Michael Johann und Michael Stal

zum Original-PDF

. . .

Author Image

Michael Johann

Product Manager
Zu Inhalten

Michael Johann ist Product Manager für Kubernetes as a Service bei der Deutsche Telekom IT GmbH. Darüber hinaus ist er auf Konferenzen mit innovativen Themen vertreten und widmet sich aktuell dem Agenten-getriebenen Ansatz der KI, um Teams mit virtuellen Mitgliedern zu ergänzen. In seiner Freizeit widmet er sich seinen Hobbys und ist leidenschaftlicher Gleitschirm-Pilot.

Er hat 1996 das Printmagazin JavaSPEKTRUM zusammen mit Michael Stal gegründet.

Author Image

Michael Stal

Chefredakteur von JavaSPEKTRUM
Zu Inhalten

Prof. Dr. Michael Stal beschäftigt sich bei der Corporate Technology der Siemens AG mit Software- und Systemarchitekturen, Digitalisierung und KI. An der University of Groningen hält er Vorlesungen und betreut Doktoranden. Außerdem ist er Chefredakteur von JavaSPEKTRUM.


Artikel teilen