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„Strategie als Praxis“ von Boris Gloger

Theoretische Konzepte wie Antifragilität werden am besten begreifbar, wenn man erfolgreiche Transformationen ansieht. Ein klassisches Beispiel dafür wäre Satya Nadellas Umwandlung von Microsoft in ein servicegetriebenes Unternehmen. Boris Gloger legt mit „Strategie als Praxis“ ein Lehrbuch vor, das den klassischen Strategiebegriff „neu zu denken“ sucht.

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Tam Hanna

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  • 12.02.2026
  • Lesezeit: 4 Minuten
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Der Autor beginnt seine Überlegungen mit einem Rückblick auf die Entstehung der Strategie. Dass sowohl Clausewitz als auch Sun Tzu Platz finden, löst beim Rezensenten Wohlbefinden aus. Kernpunkt ist die Herausarbeitung zwischen dem „Unterschied“ von Strategie und Plan – nur allzu oft gilt (Stichwort: Social-Media-Strategie), dass der Strategiebegriff zur Vermittlung eines Plans ohne definierte Endbedingungen missbraucht wird.

Die folgenden Überlegungen beginnen mit dem „rigiden“ Begriff, der Unternehmen als uhrwerkartige Systeme ansieht. Dieses unter anderem von Descartes geprägte Weltbild lag an der Mechanisierung. Die in der heutigen Zeit viel zu „rigide“ Vorgehensweise ist in Zeiten von Disruption und Co. aufgrund ihrer langsamen Reaktion auf Änderungen in vielen Fällen von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Stichworte wie Antifragilität und Business Agility versuchen, diese Änderung an die Ansprüche der Strategie fassbar zu machen. Gloger gelingt dies im ersten Teil des Buchs hervorragend – anhand verschiedener klassischer und moderner „Denkschemata“ erhält der Leser eine Einführung in alles, was zum Verständnis der Notwendigkeiten der hinter der Realisierung eines antifragilen Unternehmens beziehungsweise eines antifragilen Systems notwendig ist.

Immer wieder finden sich hier auch Anekdoten. So erzählt Gloger beispielsweise von seiner Ausbildung in St. Gallen, wo ein Management-Vortragender postulierte, dass ein „Entscheidungen treffender Manager“ kein Manager, sondern ein Executive sei. Sinn dieser – mit Sicherheit auch etwas scherzhaft gemeinten – Formulierung ist das Herausheben der Wichtigkeit der „Planung“. Ein Thema, dem Gloger in seinem Lehrbuch ausreichend Platz einräumt.

Es geht auch ohne Buzzword-Bingo!

Managementtheoretische Lehrbücher neigen oft dazu, viel totes Papier auf die Vermittlung des Managementsoziolekts zu legen. „Strategie als Praxis“ umgeht dieses Problem geschickt. Der Autor erwähnt zwar die verschiedensten Denkschemata (beispielsweise PDCA), verwurstet diese Vorstellungen allerdings immer in einen „logisch konsequenten“ Denkweg.

Daraus folgt, dass sich das Lehrbuch bequem lesen lässt – die Vermittlung der wichtigen und insbesondere für die Kommunikation mit Kollegen wichtigen Begriffe erfolgt beiläufig. Außerdem sei nochmals angemerkt, dass der Autor nicht davor zurückscheut, historische Beispiele aus der Entwicklung der Strategie sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich zu präsentieren.

Mit Spieltheorie und Zeithorizont

Wo es um Management und Strategie geht, ist die von Yanis Varoufakis populär gemachte Spieltheorie meist nicht fern. Gloger nutzt sie als „Einstieg“ in Überlegungen zum Zeithorizont von Unternehmen – ein zu kurz gewählter Zeithorizont ist in der Praxis oft Ursache für Entscheidungen, die zwar Anfangsgewinne bringen, später aber massive Probleme verursachen.

Cover „Strategie als Praxis“ von Boris Gloger

In diesem Sektor des Werks dürfen – der Autor stammt nun mal auch aus dem Bereich Agilität – Überlegungen zu agilen Prozessen und zum Change-Management nicht fehlen. Trotzdem verkommt das Buch nicht zur 101. Auflage eines SCRUM-Lehrbuchs – es gelingt dem Autor, die einzigartigen Werte von agilen Prozessen hervorzuheben, ohne zu einem Me-too-Buch zu werden.

Als „letzte Szene“ des ersten Akts präsentiert das Buch verschiedene Werkzeuge, um den Ausbruch aus dem mechanistischen Weltbild in die Welt der Agilität zu erleichtern. Der darauffolgende, kürzere, zweite Teil zeigt die Verfahren im praktischen Einsatz. Zu guter Letzt wagt Gloger auch Überlegungen dazu, „wie“ sich die Rolle der strategischen Führung in der Zukunft verändern könnte.

Für Autodidakten und Personen mit „tiefergehendem“ Interesse an der Strategie-Entwicklung folgt danach noch ein Literatur-Verweis, der rund 100 Online- und Buchquellen kompakt zusammenfasst.

Fazit

Dem Hanser-Verlag gelingt mit „Strategie als Praxis“ ein Lehrbuch, welches das „Wie“ der strategischen Führung und Planung im digitalen Zeitalter beschreibt. Das Buch taugt nicht nur für Planer und Manager im Unternehmen, sondern es ist für eine große Lesershaft angenehm lesbar, auch deshalb, weil der Autor komplett auf „zeitgeistige politische Kommentare“ verzichtet und sich auf das Wesentliche konzentriert. Die Empfehlung des Rezensenten sei aus diesem Grund jederzeit gegeben.

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Tam Hanna

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Zu Inhalten

Tam Hanna beschäftigt sich mit der Programmierung von Mobilcomputersystemen und dem Design/Prototyping von Prozessrechnern und IoT-Systemen.


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