Angemerkt sei, dass sich im Vorwort ein durchaus amüsanter Fehler findet; die Überlegungen zu den Änderungen in der vierten Auflage des Buchs weisen darauf hin, dass die dritte Auflage mehr Informationen zu Business-driven EAM zur Verfügung stellt.
EAM als Spinne im Netz
Wer EAM als Lehre von der „Visualisierung der IT“ sieht, liegt nicht falsch. Der erste Teil des Buchs setzt sich vor allem mit den durch EAM-Systeme zu beantwortenden Fragen auseinander, um danach Frameworks wie TOGAF und die verschiedenen Arten der Struktur-Visualisierung im EAM-Bereich vorzustellen. Da die meisten Frameworks nur vergleichsweise schwer „umsetzbar“ sind, folgt danach die Vorstellung des als Best-Practice-EAM bezeichneten Verfahrens.
Ebenda zeigt die Autorin Inge Hanschke die diversen spezialisierten Diagramme, die bei der Erfassung und Formalisierung von IT-Prozessen gewinnbringend verwendet werden können. Da die Erzeugung derartiger Charts schnell ein Eigenleben entfaltet, findet sich am Ende dieses Teils noch eine Erwähnung von agilen Methoden – Sinn ist hier die sinnvolle Einschränkung des betriebenen Aufwands. Lobenswert ist in diesem Bereich die Illustration, die die verschiedenen Konzepte visuell auf den Punkt bringt.
Mensch in Aspik
CIOs sind – naturgemäß – nur allzu oft für die Umsetzung von EAM-Maßnahmen verantwortlich. Neben einem Argumentationsleitfaden zur Rechtfertigung des entstehenden Aufwands findet sich ein Prozess, der die Kalibration der „EAM-Intensität“ an die Bedürfnisse des vorliegenden Unternehmens anpassen hilft. Wie im Rest des Buchs finden sich auch hier verschiedenste Literaturverweise, die die eigenmächtige Vertiefung von als besonders interessant erachteten Themen erlauben.
Das Kapitel zu EAM-Einsatzszenarien schlägt dann in eine ähnliche Kerbe. Anhand von 22 in der Praxis auftretenden Fragestellungen beziehungsweise Problemszenarien spielt das Buch häufige Situationen und ihre Bearbeitung unter Nutzung der Werkzeuge des EAM durch. Hier setzt die Autorin auf eine strukturierte Vorgehensweise: Nach einem Anriss des Problems zeigt sie im ersten Schritt die betroffenen Stakeholder, um danach ideal geeignete Visualisierungs- und Analysemethoden vorzustellen. Diese Minikapitel sind im Allgemeinen „alleinstehend lesbar“, und helfen so bei der schnelleren Erledigung der jeweiligen Gefechtsaufgabe.

Autorin: Inge Hanschke
Titel: Enterprise Architecture Management – einfach und effektiv
Seiten: 821
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 2026, 4., überarbeitete Aufl.
ISBN: 978-3-446-48407-8
Sprache: Deutsch
Im letzten Kapitel – es hört auf den Namen Best Practices und umfasst nahezu die Hälfte des Buchs – setzt sich dieser Trend im Allgemeinen fort. Nun finden sich allerdings neun umfangreicher beschriebene Fragestellungen, die bei der Stakeholder-Analyse beginnen und bei der Einführung von EA-Governance enden. Anders als im Fall der vorhergehenden Teile gilt hier allerdings, dass die einzelnen Etappen aufeinander aufbauen und nacheinander durchgelesen beziehungsweise durchgearbeitet werden sollten.
Als „Value Added“-Teile spendiert die Autorin unter anderem ein umfangreiches Glossar, das sowohl EAM-bezogene als auch allgemein relevante Begriffe (Stichwort agiler Festpreis) aus dem Bereich der Softwareentwicklung beleuchtet.
Fazit: verwaltete Komplexität
Enterprise Architecture Management ist mit Sicherheit kein „nebenbei erlernbares“ Thema: Wer sich mit der Thematik auseinandersetzen muss oder möchte, findet im vorliegenden Buch eine exzellente und umfangreiche Besprechung. Lobenswert ist außerdem, dass diese – nach Maßgabe der Möglichkeiten und des besprochenen Stoffs – durchaus bequem lesbar ausfällt.