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Editorial 1/2026: Bunter geht es nicht, oder?

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Carsten Felden

Geschäftsführer


  • 05.03.2026
  • Lesezeit: 4 Minuten
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Verfügbarkeit von Daten war selten das eigentliche Problem. Über Datenqualität kann man viel diskutieren – was aber gerne vergessen wird, ist, Daten so sichtbar zu machen, dass aus Zahlen Erkenntnisse und aus Erkenntnissen Entscheidungen werden. Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich Data Visualization. Es ist kein dekoratives Beiwerk, sondern ein zentrales Element moderner Business-Intelligence- und Analytics-Landschaften. In einer Zeit, in der Unternehmen über immer leistungsfähigere Datenplattformen, KI-Modelle und Analyseverfahren verfügen, entscheidet nicht mehr primär die technische Fähigkeit zur Verarbeitung, sondern die Fähigkeit zur verständlichen, zielgerichteten und verantwortungsvollen Darstellung über die Akzeptanz der Veränderung im analytischen Arbeiten in Unternehmen.

Ein zentraler Trend ist der Abschied von statischen Reports und rein konsumierenden Visualisierungen. Moderne Visualisierungslösungen setzen auf Interaktivität: Drill-downs, Filter, Szenarienwechsel und kontextabhängige Sichten gehören heute zum Standard. Nutzerinnen und Nutzer wollen nicht mehr nur sehen, was passiert ist, sondern selbst explorieren, warum etwas passiert ist und was als Nächstes folgen könnte. Dashboards sind keine Endprodukte mehr, sondern Einstiegspunkte für Diskussionen, Hypothesenbildung und Entscheidungsfindung.

Parallel dazu rückt das Thema Data Storytelling stärker in den Fokus. Gute Visualisierungen entfalten ihre Wirkung erst im Kontext einer nachvollziehbaren Erzählung: Was ist relevant? Für wen? Und warum gerade jetzt? Storytelling bedeutet dabei, Daten sinnvoll zu strukturieren, Schwerpunkte zu setzen und den Blick zu lenken. Gerade im Management-Kontext zeigt sich, dass Visualisierungen ohne narrative Einbettung schnell ihre Wirkung verlieren. Die Kunst besteht darin, Komplexität nicht zu verstecken, sondern sie so zu gestalten, dass sie handhabbar wird, denn gute Data Visualization reduziert kognitive Last.

Mit dem Einzug von KI-basierten Analytics-Funktionen verändert sich auch die Art, wie Visualisierungen entstehen. Systeme schlagen automatisch geeignete Diagrammtypen vor, markieren Auffälligkeiten oder generieren erste Interpretationen. Augmented Analytics verspricht Effizienzgewinne und niedrigere Einstiegshürden, insbesondere für Fachbereiche ohne tiefgehende Analyseexpertise.

Doch mit diesen Möglichkeiten wächst auch die Verantwortung. Automatisch erzeugte Visualisierungen basieren auf Annahmen, Modellen und impliziten Priorisierungen. Die Gefahr besteht weniger in falschen Berechnungen als in subtilen Verzerrungen: Welche Ausreißer werden hervorgehoben? Welche Trends erscheinen wichtig? Welche Zusammenhänge bleiben unsichtbar? Data Visualization wird damit zu einem Teil der Diskussion um erklärbare und verantwortungsvolle KI. Wenn Algorithmen Entscheidungen vorbereiten oder beeinflussen, müssen ihre Ergebnisse nicht nur rechnerisch korrekt, sondern visuell nachvollziehbar sein.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die normative Wirkung von Visualisierungen.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die normative Wirkung von Visualisierungen. Farben, Achsenskalierungen, Aggregationsniveaus oder die Auswahl bestimmter Diagrammtypen beeinflussen Wahrnehmung und Interpretation. Visualisierung ist kein rein technisches Thema, sondern auch eine Frage von Ethik, Governance und Kompetenz. Data Literacy endet nicht bei der Interpretation von Zahlen, sondern umfasst auch das kritische Lesen visueller Darstellungen.

Die Kunst besteht darin, Komplexität nicht zu verstecken, sondern sie so zu gestalten, dass sie handhabbar wird, denn gute Data Visualization reduziert kognitive Last.

Ein weiterer Trend ist der Versuch, den Mehrwert von Visualisierungen selbst messbar zu machen. Wie verändert sich die Entscheidungsqualität? Wie schnell werden Zusammenhänge erkannt? Visualisierung wird damit selbst zum Gegenstand analytischer Betrachtung.

Diese Ausgabe der BI-SPEKTRUM widmet sich der ganzen Spannbreite des Themas zwischen technischer Innovation, gestalterischer Qualität und strategischer Wirkung. Denn erst dort, wo Visualisierung bewusst eingesetzt, verstanden und reflektiert wird, entfaltet sie ihr eigentliches Potenzial.

Ihr Carsten Felden

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Carsten Felden

Geschäftsführer
Zu Inhalten

Prof. Dr. Carsten Felden ist Vorstandsvorsitzender des TDWI e.V. In Forschung und Lehre vertritt er als Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg Themen wie Business Analytics, Data Warehousing, XBRL und BI-Reifegradmodelle im Kontext von Digitalisierungsansätzen in Unternehmen.


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